Der Iffland Ring
August Iffland war der wohl angesehenste Schauspieler der deutschen Klassik, und zu Recht nicht ganz uneitel. Er ließ mehrere Ringe mit seinem Konterfei anfertigen, wohl inspiriert durch Lessings Ring-Parabel, und verteilte sie unter seinen Kollegen. Der besondere, einzigartige Iffland Ring, der seit 1814 an den bedeutendsten Schauspieler deutscher Sprache verliehen wird, stammt aus der Werkstatt von Emmanuel Pioté, Wien, dem Gründerväter des Hauses A. E. Köchert. Ein paar Anekdoten über diese Kostbarkeit aus Gold und Diamanten sind besonders berichtenswert.

Der jeweilige Iffland-Ring-Träger muss nämlich testamentarisch (und unter absoluter Geheimhaltung) seinen jeweiligen Nachfolger benennen. Und so musste Albert Bassermann dreimal sein Testament ändern, da jeder Kandidat vorzeitig aus dem Leben gerissen wurde. Bassermann war abergläubisch, er dachte, dass nun jeder weitere Erbe, den er einsetzte, in akuter Lebensgefahr sei – und so schob er den Ring dem Wiener Theater-Museum zu. Dieses verlieh ihn Werner Krauß, der ihn – zur Überraschung der gesamten Hochkultur- dem Volksschauspieler Joseph Meinrad vermachte. Wer kennt ihn nicht aus den Sissi-Filmen?
Über den Schweizer Bruno Ganz kam der Ring zum nunmehr 9. Besitzer, Jens Harzer, der auch ein gern gesehener Gast der Salzburger Festspiele ist. Er stellte dem Hause Köchert den Ring großzügig für die Köchert-Ausstellung in Schloss Gödöllö zur Verfügung. Allerdings: Jens Harzer ist nur der Besitzer des Rings, nicht der Eigentümer. Eigentümerin ist die Republik Österreich.

Und da ergibt sich eine neue Frage: Darf es immer nur ein Mann sein, dem der Iffland-Ring vererbt wird? Einer Legende nach hatte Werner Kraus den Ring der Schauspielerin Alma Seidler vermachen wollen, was aufgrund der Stiftungsstatuten damals nicht möglich war. Nun gibt es seit einigen Jahren den Alma Seidler Ring, für die jeweils beste Schauspielerin.



