A. E. KÖCHERT

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Anekdoten

Von verschollenen Schätzen

Von verschollenen Schätzen

Er ist wieder da, unversehrt und in einem Stück – die Rede ist vom weltberühmten Florentiner Diamanten der Habsburger, gefasst in einer Hutagraffe Kaiser Franz Stephans. Er hat er eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Nachdem er ursprünglich im Besitz der Medici war, kam er mit dem Aussterben der männlichen Medici-Linie in das Eigentum von Kaiser Franz Stephan und schließlich in die Wiener Schatzkammer als „Privater Kaiserlicher Hausschmuck“. Ende 1918 ließ Kaiser Karl ihn in die Schweiz bringen, wo er noch einige Jahre verblieb. Danach verlor sich seine Spur, man wähnte ihn als verschollen, er sei gestohlen oder gar zerschnitten worden, die Gerüchteküche brodelte.

Vor Kurzem wurde also eines der bestgehüteten Geheimnisse der Schmuckgeschichte gelüftet: einige der sagenumwobenen Habsburger Juwelen der berühmten Vitrine XIII. sind nach über 100 Jahren wieder aufgetaucht. Im Sommer 2025 eröffnete die Familie Habsburg-Lothringen Christoph Köchert, dass in Kanada noch einige dieser Stücke vorhanden waren, deren Echtheit er überprüfen und bestätigen sollte. Stand das Haus Köchert der kaiserlichen Familie über 80 Jahre lang in allen Belangen von Schmuck und feinen Edelsteinen zunächst als k.u.k Hof- und später auch als Kammerjuwelier zur Seite, blieb die lange und persönliche Beziehung der beiden Familien auch in der Zeit nach dem Zusammenbruch der Monarchie erhalten. Sich der großen Ehre bewusst, erschien es gleichzeitig auch naheliegend, dass der Nachfahre des letzten Kaisers dem Nachfahren des einstigen Kammerjuweliers – und damit persönlicher Juwelier des Kaisers – sein Vertrauen schenken würde. Unter Geheimhaltungspflicht wurden die Juwelen im Rahmen der spektakulären Wiederentdeckung untersucht und ihre Echtheit bestätigt.

Neben der Freude unter den Juwelen vier Köchert Stücke zu identifizieren, durfte Christoph Köchert weitere Schmuckstücke außerordentlicher historischer Bedeutung in Händen halten. Unter ihnen sticht – neben dem 137 ct schweren Florentiner Diamanten – eine einzigartige, in einen riesigen Smaragd eingearbeitete Uhr Kaiserin Maria Theresias heraus, die für Kaiserin Elisabeth in den 1870er Jahren im Haus Köchert umgearbeitet wurde. Sie sollte zu ihrer zeitgleich von Alexander Emanuel Köchert geschaffenen Weinlaub Parure passen, deren sagenumwobene Smaragde ebenfalls auf Maria Theresia zurückgehen.

In Form eines Anhängers gearbeitet, ist die Uhr dabei in einen wunderschönen facettierten Smaragd in der Größe eines Hühnereis eingebettet und mit einem hellgrün durchscheinenden aufklappbaren Deckel versehen – ebenfalls aus Smaragd. „Das Schmuckstück an sich ist schon atemberaubend, so etwas gibt es auf der Welt kein zweites Mal. Das muss man sich einmal vorstellen: ein riesiger Smaragd, in dem eine Uhr eingearbeitet ist! Und wenn man aber dann auch noch die Geschichte dazu hört, kann man nicht anders, als in Ehrfurcht zu erschauern“ sagt Christoph Köchert dazu.

Es ist immer ein aufregender Moment, wenn kaiserliche Schmuckstücke aus dem Haus Köchert wieder auftauchen, wie zum Beispiel die prachtvolle Diamant-Brosche mit großen Orient-Perl-Tropfen, deren Entwurfszeichnung sich im umfangreichen Archiv erhalten hat. Zwei weitere interessante Stücke sind eine Maschenbrosche und eine große prominente Hutnadel in den ungarischen Nationalfarben grün (Smaragde), rot (Rubine) und weiß (Diamanten), die mit großer Wahrscheinlichkeit aus den 1860er Jahren datieren und im Zusammenhang der ungarischen Krönung Franz Josephs und Elisabeths bestellt worden sein dürften.

Ein weiteres Highlight der Sammlung ist eine Taschenuhr, ebenfalls aus dem Besitz von Marie-Antoinette. Das Besondere an dieser Uhr ist, nicht nur dass diese von Jean-Antoine Lepine – dem einzigartigen und weltberühmten Uhrmacher der französischen Könige – angefertigt wurde, sondern auch, dass sie auf Ihrer Rückseite, hinter einem Glasdeckel verborgen, eine Haarlocke enthält. „Von wem dieses Haar stammt? Von Marie Antoinette selbst, von Maria Theresia, ihrer Mutter, Ludwig XVI, ihrem Mann, oder einem ihrer Kinder? Man weiß es nicht und wird es wahrscheinlich nie wissen und genau das ist auch das Faszinierende daran.“, meint Christoph Köchert.

Der Schmuck der berühmtgewordenen Vitrine XIII. galt seit Ende 1918 als verschollen. Er sollte Kaiserin Zita auf ihren Stationen im Exil auf der Flucht vor den Nazis bis nach Kanada begleiten. Kurz vor ihrem Tod verfügte sie, dass der Verbleib der Juwelen frühestens 100 Jahre nach dem Tod Kaiser Karls bekanntgemacht werden dürfe. Um den Erhalt des historisch gewachsenen und bedeutenden Ensembles für die Zukunft zu sichern, brachte die Familie den Schmuck nun in dessen neuer Heimat Kanada in eine Stiftung ein, wo er in absehbarer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.